Ernst Aklin

1944 geboren in Zug , Schweiz
Accademia di Belle Arti di Brera Milano, Schule für Gestaltung
Luzern, Atelieraufenthalte bei verschiedenen Bildhauern.
1974 Eidgenössisches Stipendium für bildende Kunst.
1976 Biennale Venedig
1974 - 1987 Kunsterzieher Kantonsschule Zürich
1985/86 Aufenthalt in Mauritius
Seit 1987 lebt und arbeitet Ernst Aklin in Südfrankreich.
Ab 1966 Einzel- und Kollektivausstellungen in der Schweiz, in Frankreich und Italien.

Man spürt den kräftigen Druck der formenden Finger, die gestaltende Berührung der greifenden Hände und die schöpferischen Visionen des bildenden Künstlers beim Erleben seiner Gestalten. Ernst Aklin entwickelt, mag die Figur noch so hoch sein, vom Boden der Realität aus in dritte und vierte Dimensionen, die sich ineinander verschieben, der Schwerkraft, durch die Harmonie der Entfaltung von Gleichgewicht und Formauflösung nach oben strebend, entkommen, und durch Kommunikation der irdischen Einschränkung entrücken.

Der Künstler erlebt zugleich Ursprung und Folgen durchgemachter Schöpfung, die er formgebend auf den Betrachter überträgt. Die Art der Mitteilung weckt sinnliche Träume, die realitätsgebunden hin- und zurückführen, von Mystik geprägt und vom Kern einer Wahrheit getragen, die hautnah widerfährt. Alles Figürliche strebt nach oben, ohne zu entkommen: Fröhlichkeit, Glück und Liebe können erfasst und mitverarbeitet werden. Die Figur kann noch so in die Höhe wachsen, ihrem Ursprung entkommt sie nicht.

Die Glückseligkeit liegt im Genuss des Irdischen, das getränkt ist von göttlicher Schönheit, geprägt ist vom Seinsbewusstsein fliessender Gestaltung und dem Ueberselbst, das uns gegen unseren Willen erröten lässt. Die Figuren beginnen zu leben: Die Frauengestalten spielen Walpurgisnacht, sind greifbar und doch schon im Erlebnis entrückt, bewegen Mann und Weib. Die schöpferische Urkraft setzt irdische Marken in höheres Streben, das bald zärtlich, bald gewichtig, aber immer nach oben an Schwere verlierend, Lebenslust und gleichzeitig Erfüllung weckt. Ernst Aklin ist ein Meister im Umsetzen von Gefühlswelten menschlichen Seins. Er lässt irdische Bindung transzendieren und führt den Betrachter wieder an den Ursprung des Geschehens zurück. Die Wahrheit liegt da als ob sie entkommen könnte, wird aber durch die harmonische Strömung fliessender Energie, in ihrer ausdrucksstarken Gestaltung, zusammengehalten.

Der Mensch als Ganzes ist dem Künstler von Bedeutung. Die Offenbarung des Seins ist grenzenlos, ohne Einschränkung. Irdisches und Ueberirdisches wird erlebt, durchgemacht, verarbeitet. Es gibt keine Flucht. Die Form akzeptiert keine Halbheiten. Das "cogito ergo sum" in seiner Vollkommenheit. Aber auch die Ehrlichkeit zu sich selbst. Ernst Aklin trägt sich vor. Auf seine wunderbare Weise bezieht er den Betrachter mit ein, als ob er Zuschauer eines Lebensabschnitts des Künstlers und seiner selbst geworden wäre.

Felix Riedel